Mit der Knarre im Kiosk… – Alles meine Schuld!

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6. Juni 2016, Dallas

„Am helllichten Tag, auf offener Straße? Und glaubst du, niemand würde das sehen?“ Mit diesen beiden Sätzen reagierte John auf meine kleine Beichte… „Hör mal, du kannst doch nicht einfach in einen Kiosk reinlatschen, mit ‚Hände hoch du Neger!‘ den Verkäufer anmachen und dann glauben, jeder würde checken, dass das einer von deinen komischen Jokes ist, die du neuerdings immer abziehst!“ Ich stöhnte auf, John hatte echt kein Verständnis für richtig krasse Pranks: „Kann ich doch nicht ahnen, dass der Typ kein Spaß versteht, sofort ne echte Knarre zieht und droht, mich ebenfalls abzuknallen…“ „Mit einer Spielzeugpistole nen Ladenbesitzer bedrohen, ihn abzuknallen…“ „Das war ein Spaß!!!“, langsam wurde ich ärgerlich, konnte er denn eigentlich überhaupt gar nichts verstehen… „Und dann auch noch anfangen laut los zu lachen, während er dir die Waffe vor den Kopf hält und laut: ‚It´s a prank!‘ rufen, damit erst recht alle darauf aufmerksam werden und die Bullen rufen… Echt man, du hast Glück gehabt, dass der Typ dich nicht gleich abgeknallt hat, als du den Laden betreten hast! Was er übrigens sogar gedurft hätte, du Idiot!!“ „Ach komm schon, so schlimm war das doch gar…“ „Bist du eigentlich vollkommen bekifft? Natürlich war das schlimm und außerdem… Wie zur Hölle bist du überhaupt dazu gekommen? Ich dachte du wolltest nur noch schnell nochmal zur Halle zurück und deine Sporttasche holen, die du Genie ganz by the way…. wieder vergessen hast!!!“ „Nun ja, du wirst es mir eh nicht glauben, aber…“

Jetzt, Washington DC

Aber weiter war ich nicht gekommen, denn in diesem Moment war der Bus um die Ecke gebogen und John hatte sich schnell noch von mir verabschiedet und war dann in Richtung Bus gelaufen. Das war das letzte mal, dass ich ihn gesehen hatte, denn sein Bus war auf dem Highway in einen schrecklichen Unfall verwickelt worden…

Jetzt, rund zwei Jahre später, war ich immer noch, der Überzeugung, dass es meine Schuld war. Hätte ich nur nicht so getrödelt, hätte er sicher noch den ersten Bus gekriegt und er würde noch leben… Seufzend ließ ich mich auf mein Bett fallen und genoss noch einmal die frische Abend Luft, die ich von meinem Balkon aus erhaschte… Aber ich wollte die Geschichte in meinem Kopf unbedingt fortführen, ich wollte unbedingt wissen, was ich denn gesagt hätte, wie ich ihm den Teilgrund dafür erklären würde, warum er 15 Minuten später auf dem Highway sein Leben verlieren würde. Also zurück zum

6. Juni 2016 in Dallas

Ich beeilte mich, schließlich wollte ich sobald wie möglich zurück an der Bushaltestelle sein. Ich lief so schnell ich konnte, aber bereits nach 5 Minuten war mir die Puste ausgegangen. Also schlurfte ich den Rest des Weges gemächlich vor mich hin, bis ich schließlich schnaufend vor der Turnhalle zum Halten kam und gerade so noch Mr. Brunner erwischte, der bereits die Tür verriegeln wollte. Flink huschte ich an dem verärgert wirkenden Mr. Brunner vorbei in die Männerumkleide, doch… wo zur Hölle war meine Sporttasche hin? Ich hatte sie doch gerade eben noch hier liegen… Mein Blick fiel auf den Mülleimer. Dort lag sie, zerschlissen und verdreckt zusammen mit einer leeren Kaugummipackung, als hätte jemand absichtlich auf ihr rumgesprungen! Hinter mir hörte ich ein gedehntes Lachen und ich sah mich um… Dort standen Zack, Michael und „ihr Boss“ Grack Kastillo, der „coolste BadBoy“ der HighSchool, auf die John und ich gingen.

Mit einem Schlag in meinen Bauch eröffnete Grack die „nette Unterhaltung“. Ich konnte mich nicht wirklich wehren, da ich in Sport und so einem unnützen Kram noch nie eine bessere Note als 4 erhalten hatte. Immer und immer wieder schlugen sie auf mich ein, bzw. traten auf mich ein, ich weiß es nicht mehr genau, aber ich glaube, ich lag bereits nach Schlag 1 am Boden. Gracks krächzende Stimme hallte immer und immer wieder in meinem Kopf: „Jetzt kriegst du Schläge du Fettsack! Wo ist dein schön geschmiertes Butterbrot von Mami? Wein nicht, du Luser, wir wissen alle, dass deine Mami tot ist und du deswegen ein kleiner Bastard bist…“ Ich schrie so laut ich konnte, doch niemand kam…

Eine halbe Stunde später stand ich mit einer Spielzeugwaffe in der Hand vor dem Kiosk in der 7th Ave und machte mich innerlich dafür bereit, bittere Rache an „den Übeltätern“ zu nehmen. Sie hatten noch eine Weile auf mich eingeschlagen und waren dann einfach abgezogen. Ich hatte aus meinem Spint meine selbst hergestellte und verblüffend echt wirkende Kopie einer AK-47 geholt und war den Wichsern hinterher geeilt. Gerade waren die 4 in den Kiosk gegangen, vermutlich da sie auf ein erfolgreiches Zusammenschlagen eines Fettsackes trinken wollten! In mir kochte die Wut. Mein Plan war folgender: Ich wollte hineinstürmen. Mit meiner Waffe im Raum herumfuchteln und den Spasten einen gehörigen Schrecken einjagen… – Ich weiß…, im Nachhinein bin ich auch von mir selbst enttäuscht! –

Den Rest der Geschichte kennt ihr selber… Zurück in die Gegenwart!

Jetzt, Washington DC

Ja, ich war damals schon ein gehöriger Fettsack… Ganz anders als jetzt! Kurz nach Johns Tod war ich an der Washington DC Millitärie Akademie aufgenommen worden. Seitdem hatte ich jeden einzelnen Tag trainiert und Gewichte gestemmt. Mein Körper hatte sich folglich „leicht“ gewandelt und ich war bereit, bereit für einen Neuanfang in der Welt, bereit die Trauer hinter mir zu lassen…

Hinweis: Alle Inhalte, Orte, Zahlen und Namen, die in dieser Geschichte genannt werden sind größtenteils fiktiv und beziehen sich auf keinerlei wahre Begebenheiten!

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