Anfang Februar diesen Jahres war es so weit. Nach einem Vorbereitungs-Crash-Kurs ging es in die Aula um uns das Bühnenprogramm „Abgefahren“ von der Polizei, Feuerwehr, Rettungssanitätern, Betroffenen und Notfallseelsorgerin anzuschauen. Dort wartete eine interessante und überraschende Menge neuer Eindrücke und Erfahrungen.

Die Vorstellung begann schon „krass“. Die Bühne war mit Holzkreuzen und Kerzen dekoriert. Das rote Licht und eine blaue Rundumleuchte schuf eine komische, betroffene Atmosphäre. Nach kurzer Einleitung erzählte das erste Unfallopfer seine Geschichte. Von ihm bekamen wir zunächst nur ein altes Foto zu Gesicht, bis er in seinem Rollstuhl sitzend hineinrollte. Er erzählte, er habe einen Unfall in einem voll besetzten Taxi erlitten. Er und seine Freunde haben sich in ein Taxi gesetzt, welches zu voll besetzt war. Unangeschnallt und mit einem unaufmerksamen Fahrer schossen sie mit viel zu hoher Geschwindigkeit aus einer Kurve. Ergebnis: 2 Tote, mehrere Schwerverletzte und er sitzt seitdem im Rollstuhl. Ein Tag, wie er sein Leben verändern und neu ordnen sollte.

Nach einer kurzen Pause und einigen weiteren Erzählungen, berichtete der Fahrer eines Rettungswagens über einen Unfall, in den er verwickelt war. Er und sein Kollege fuhren im Rettungswagen spät nachts über die B70. Auf der Gegenspur ein Auto. Mehrere junge Insassen. Sie spielten das „Angsthasen“-Spiel: So nah wie möglich an das entgegenkommende Fahrzeug hinankommen und erst im letzten Moment ausweichen. In der Nacht versuchten sie das Spiel beim Krankenwagen, die jugen Männer wichen wieder im letzten Moment aus, kamen aber von der Straße ab. Ergebnis: Ein Toter und ein Schwerverletzter. Der anwesende Rettungsassistent und ein Polizist berichtete noch im Detail über seine weitere Vorgehensweise: Vom Feststellen des Genickbruchs des Toten, der Sicherung der Unfallstelle und der Versorgung vom Schwerverletzten. An dem Tag hat sich nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch das Leben aller Angehörigen verändert. Von den Arbeitskollegen, Mitschülern, Eltern, Großeltern, Lehrern, Kollegen aus dem Sportclub über das, der beteidigten Ersthelfer. Und das hätte verhinder werden können!

Das Versäumen des Anschnallens, Fahren unter Alkoholeinfluss und risikoreiches Fahren verliefen als Todesursache Nummer Eins wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Dies rief nicht nur Verwunderung, sondern auch Mitleid, Überraschen und Erschrecken in die Gesichter des Publikums. Genauso die Fakten, dass hier im Landkreis 17-24 Jährige nur 9% der Bevölkerung ausmachen, allerdings 19% aller Verkehrsunfälle verursachen. Dabei ist die Unfallursache Nummer Eins überhöhte Geschwindigkeit, dicht gefolgt von Vorfahrtsmissachtungen und alkoholisiertem Fahren.

Am Ende wurde auf der Bühne ein großer Luftballon präsentiert, an dem Klebezettel mit niedergeschriebenen Träumen und Wünschen der Zuhörer klebten, die diese vor der Veranstaltung dort angeklebt hatten. Einige der Wünsche wurden durch das Team vorgelesen, bis ein Knall die Zuhörer aufschrecken ließ. Mit einer Nadel wurde der Ballon zum Platzen gebracht, um zu symbolisieren, wie schnell auch Träume zerplatzen können.

Das Bühnenspiel und diese Zahlen wirkten auf die meisten Schüler wie ein erschreckendes „Wachrütteln“. Die letzten Jahre war es für einige sogar so heftig, dass sie tränenüberströmd die Veranstaltung verlassen mussten und kurz davor waren zusammenzubrechen.

 

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