Ich heiße Carsten Keetz, bin Vorsitzender der Grünen hier in Meppen und kandidiere für den Stadtrat und das zweite Mal für den Kreisrat hier im Emsland.Grünen person

Was ist Ihrer Meinung nach das übergeordnete Ziel der Grünen bei den Kommunalwahlen?
Hier in Meppen haben wir vor allem das Ziel die Stadt lebenswert zu machen, lebenswerter in Hinblick auf die vorhandenen Radwege und die Umweltbelastung und da sieht es zunächst so aus, dass wir hier ein Radwegekonzept vorstellen wollen, sodass die Bürger der umliegenden Gemeinden sich direkt auf einem breiten Radweg in die City bewegen können. Dieser soll sternenförmig auch um Meppen herumführen und wir wollen, dass sich die Erholungsreisenden aus der Umgebung in Meppen durch entsprechende Beschilderung leichter zurechtfinden. Wir wollen außerdem eine Verbesserung des Caterings und des Services von Privater Hand unterstützen.

Wie genau würde denn ein „grünes Meppen“ aussehen?

Hauptsächlich gäbe es einen verbesserten ÖNVP, also eine verbesserte Erreichbakeit der Ortsteile sowie mehr Bushaltestellen und die Möglichkeit den ÖNVP außerhalb der Schulzeiten. Der Radwegeausbau ist ein weiterer wichtiger Punkt mit dem Ziel, dass in Zukunft vielleicht mehr Autofahrer ihr Auto zu Hause lassen und mehr auf das Rad gesetzt wird. Dann muss der Bau der E233 verhindert werden sowie der einseitige Ausbau des Verkehrswesens in Richtung Auto. Bäume dürfen nur noch in Ausnahmefällen gefällt werden.

Auf Ihrer Kreistagsseite steht, dass Sie sich sehr intensiv mit Bildung beschäftigt haben. So haben Sie 2012 den Antrag gestellt, Lernplattformen wie Iserv zu erleichtern. Wie sehen Sie ihre Ziele in Bezug auf Bildung hier im Emsland?

Es geht hauptsächlich auch – neben der besseren Ausstattung aller Schulen – darum, dass wir die Schaffung einer Oberstufe der Gesamtschule in Lingen favorisieren. Wir möchten, dass die Lingener Gesamtschule ein adäquates Bildungsangebot bildet, was die CDU bis dato verhindert hat und wir möchten die allgemeinbildenden Schulen im ganzen Emsland stärken. Hier in Meppen ist es ja beispielsweise so, dass die Privatschulen in unseren Augen einseitig gepuscht werden, sodass die kirchlichen Privatschulen, die Johannesschule und das Marianum im Endeffekt besser da stehen als die städtischen Schulen. Speziell, was die Ausstattung der Oberschulen betrifft  –  und da sehen wir dringend Bedarf. Denn hier gehen doch oft  Kinder der Leute ohne Lobby und politischen Einfluss in die Schule. Die Ausstattung hier im WGM [Anm. d. Redaktion: die Mediathek] ist zum Beispiel doch gar nicht vergleichbar mit dem, welche an den Oberschulen in Meppen geboten werden.

Wo sehen Sie im Gegensatz die Vorteile der Gesamtschule?

Eine individuelle Förderung ist möglich, wenn man die Schüler zunächst in Klassen zusammenfasst und dann versucht die individuelle Förderung in Kursen zu gewährleisten. Ich möchte das mal loslösen von der Diskussion um die Gymnasien. Es geht mir darum, dass die einzige Gesamtschule hier im Emsland eine reelle Chance erhält, in echte Konkurrenz zu den kirchlichen und kreiseigenen Gymnasien zu treten

Sie setzen sich für den Klimaschutz ein. Man findet ja auch allerhand Beispiele zum AKW Lingen und derartige Dinge auf ihrer Webseite. Insgesamt steht die Grüne ja für den Klimaschutz und ein Bewusstsein für die Umwelt; Früher ging es mit Wollpullovern und Sandalen in den Bundestag für den Protest gegen den Konsum. Was denken Sie, wie ist der Wandlungsprozess in der Grünen abgelaufen? Was kommt noch und was ändert sich aktuell in den Grünen?

Wenn ich meine eigene Biografie betrachte ist es tatsächlich so, dass wir in der Anti-Atomkraft-Bewegung groß geworden sind und dass zunächst einmal versucht wurde, außerparlamentarisch zu arbeiten. Das hat aber zunächst nur so viel gebracht, dass man die Bevölkerung auf bestimmte Dinge hingewiesen hat. Politische Dinge grundlegend verändert wurden aber nicht. Von daher war die Gründung der grünen Partei nur eine Konsequenz daraus, dass man nur etwas erreichen kann, wenn man sich in die Gesellschaft hineinbewegt und das führte jetzt im Laufe der Jahre dazu, dass die Grünen immer stärker akzeptiert und politisch wirksam wurden. Dann hat ja der Fukushima-Unfall gezeigt: Das, was die Grünen gefordert haben, hatte Hand und Fuß und dass es notwendig war, die Atomkraft konsequent abzuschaffen. Jetzt hat es sogar die Bundeskanzlerin eingesehen. Jetzt sind wir endlich an dem Punkt, dass wir versuchen erneuerbaren Energien voranzutreiben. Und auch hier sind die Grünen meiner Ansicht nach führend und die treibende Kraft gewesen. Und wir versuchen nach wie vor eine Umwelt zu gestalten, die losgelöst von den Emissionen der fossilen Energien arbeitet und natürlich ohne Atomkraft. Atomkraft ist in Deutschland zum Glück am Ende. Lingen wird leider erst 2022 abgeschaltet.

Bezüglich des Energiewechsels: Denken Sie nicht, dass der Energiewechsel zu den erneuerbaren Energien etwas übereilt war? So fehlten ja teilweise wichtige Infrastrukturen, so dass ja Windkraftwerke teilweise nicht genutzt werden konnten.

Das sind Kinderkrankheiten dieser Energieformen, die Wissenschaft war längst weit genug, das hat man ja auch gemerkt, so hat es ja auch einen enormen Investitionsschub gegeben. Dass es so Hals über Kopf geschehen ist, ist der Situation geschuldet und da sage ich, dass es einfach richtig, dass es so passiert ist. Es war der richtige Schritt für unsere Gesellschaft.


Würden Sie auch sagen, dass Deutschland eine Vorbildfunktion für andere Länder einnehmen sollte?
Das ist natürlich schwierig, jedes Land muss seine eigene Entscheidung treffen, aber ich denke, dass man schon sieht, dass der Trend in diese Richtung geht. Auch Amerika fährt die Nutzung regenerativer Energien hoch. In China entwickeln sich diese Effekte und in England hat man jetzt den Bau von zwei Atomkraftwerken abgesagt. Nur Russland, Frankreich und vielleicht Japan sind noch auf dem Zug der Atomkraft, aber ich denke das hat keine Zukunft.

 

Nun ist es ja auch so, dass sich viele Parteien mit den regenerativen Energien auseinandersetzen und das nicht mehr nur die Grüne ist. Sehen sie die Zukunft der Grünen gefährdet?

Überhaupt nicht. Unser Slogan lautet ja „Richtig grün“. Es zählt: Wenn Grün, dann richtig. Viele Dinge werden ja hauptsächlich unter wirtschaftlichen Aspekten gefördert, da steckte nicht wirklich der Gedanke dahinter, dass wir der gesamten Gesellschaft nachhaltig helfen. In dieser Hinsicht ist noch viel zu tun.

Aus welchen Strömungen setzt sich die Grüne zusammen?

Im niedersächsischen Landesverband gibt es hauptsächlich eine Strömung, die sich für einen sozialen Wandel einsetzt, für eine offene Gesellschaft, die sich in Richtung SPD und der Linken öffnet. Aber ich glaube, dass sich auch Strömungen der CDU geöffnet haben. Dies wird zu den Bundestagswahlen zu einigen Spannungen führen.

Wie schätzen Sie ihre Chancen hier in Meppen ein?

Ich persönlich hoffe, dass wir mit vier Abgeordneten in den Stadtrat und mit fünf in den Kreistag einziehen. Das wären ungefähr 7–10 %.

Bei der AfD Gegendemonstration vergangenen Sonntag waren ja eine unglaublich große Anzahl an Menschen vor Ort. Hier hatten wir bereits verschiedene Positionen: Die FDP sagt, die AfD stellt eine Meinung da, die zugelassen werden muss. Der Kandidat der Linken sagt, diese sei rassistisch und die Linke hat sich gefreut, dass so viele Menschen vor Ort waren. Wie sehen Sie das?

Ich war leider nicht da an dem Tag, aber ich denke, dass rassistische Äußerungen nicht auf den Marktplatz gehören. Aber grundsätzlich ist die AfD noch eine rechte Partei, die man akzeptieren sollte, weil sie zur Wahl zugelassen ist. Von daher sollte man sie auch öffentlich reden lassen. Also ich bin nicht dafür, diese Veranstaltungen zu stören, zu verbieten oder derartiges. Bei weiterer Annäherung der AfD zu Positionen der NPD sehe ich das genau umgekehrt – ich bin für ein NPD – Verbot.

Was kritisieren Sie an der CDU?

Ich kritisiere an der CDU, dass sie auf dem Bestehenden beharrt, dass sie sich nur bewegt, wenn es wirklich notwendig ist und dass sie in der Vergangenheit – z. B. die Atomkraft – ohne Wenn und Aber befürwortet hat. Dass sie sich mit den politischen Gegebenheiten so angefreundet hat, wie sie sind und dass sie die Gesellschaft nie grundlegend verändern will und wollte. Sie verändert nur auf Druck von außen. Die CDU ist momentan am Schwimmen, gerade weil der rechte Rand jetzt wegbröckelt.

Würden Sie auch sagen, dass Ihre Partei von der Parteiverdrossenheit beeinträchtigt wird?

Das ist richtig. Wir spüren die Parteiverdrossenheit, allerdings nur insoweit, dass uns der Zulauf fehlt. Unser harter Kern besteht aus 7–8 Leuten, das ist etwas wenig für eine 35.000 Einwohner Stadt. Man spürt zwar ein allgemeines Schulterklopfen „Schön, dass ihr euch engagiert“, aber es sind viele Leute, die nicht öffentlich zeigen wollen, dass sie grün denken. Und die Jugendlichen sind, da bin ich etwas enttäuscht, nicht wirklich engagiert. Die Engagierten gehen weg aus Meppen, z. B. studieren.

Sind es wirklich die Jugendlichen, die Sie in ihrer Partei engagieren wollen, gerade weil Sie dieses Defizit spüren?

Wenn man den Altersdurchschnitt unserer aktiven Mitglieder betrachtet, sind wir alt. Wir sind alle um die 50/60. Das ist nicht wirklich attraktiv für die Jugendlichen, so ist es teilweise auch schwer Politik für die Jugend zu machen. Man versucht natürlich z. B. im Jugendzentrum etwas für die Jugendlichen zu tun. Wir sind eine Partei für die Jugend, uns fehlt jedoch die Initiative der Jugend.

Wenn sie in einem Satz zusammenfassen sollten, warum unsere Leser sie wählen sollten, wie würde dieser lauten?

Grüne Politik bedeutet für mich, dass wir versuchen in Meppen ein lebenswertes und naturverbundenes Leben zu führen.

 

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