Leukämie: Blutkrebs. Das war die Diagnose die FDP- Politiker Guido Westerwelle vor zwei Jahren gestellt bekommen hat. Eine Diagnose, die einen den Boden unter den Füßen weg zu reißen scheint und plötzlich alles im Leben verändert. Nicht ausschließlich für den direkt Betroffenen, sondern im selben Maße, wenn nicht viel mehr, für die Leute im direkten Umfeld oder im Falle Guido Westerwelles einer Nation. Über das Schicksal eines vielfach kritisierten Staatsmannes und der Möglichkeit eine handvoll Leben schenken zu dürfen.

Um einen Menschen passend beschreiben zu können genügen nicht die kurzen Augenblicke, welche von den Medien ausgestrahlt werden. Es benötigt Kontakt mit dem Menschen selbst, als Person, die einen jeden Tag neu begegnet. Selbst, wenn man die Möglichkeit hat diesen Eindrücken zuteil werden zu dürfen kann man dies kaum mit Worten umschreiben, denn es würde den Betroffenen niemals zu hundert Prozent widerspiegeln. Sonst wäre er nicht das Individuum, welches sich im Laufe seines Lebens zu dem entwickelt hat, was es ist. Dennoch wollen wir hier kleine Eindrücke von dem Leben Guido Westerwelles zu Worte fassen und darauf eingehen, wie man selbst die Möglichkeit bekommen kann eine handvoll Leben zu verschenken.

Guido Westerwelle wuchs in einer Anwaltsfamilie auf. Seine Eltern ließen sich früh scheiden und er zog zu seinem Vater, wo er noch mit einigen weiteren Brüdern aufwuchs. Er gesinnte sich relativ früh zur FDP, die nicht nur für ihre Wirtschaftsliberalität, sondern auch für ihre politische Liberalität bekannt war. Grade im Sinne seiner Entscheidung sich der gleichgeschlechtlichen Liebe zuzuwenden, ist es nachvollziehbar einen Weg in eine liberale und entsprechend toleranten Partei zu finden. Mit der FDP durchlebte er neben Hochpunkten auch Niederlagen. Trotzdem ließ er sich nie pessimistisch stimmen. Selbst nach seiner Diagnose und den Kampf mit dem Krebs veröffentlichte er ein Buch, welches nicht zwischen Leben und Tod hieß, sondern zwischen zwei Leben. Ein Buch, welches Menschen in gleichartigen Situationen Mut machen soll, anstatt seinen Leidensweg zu beschreiben. Wie er selbst es formulierte: “Ein Buch, über die Dinge, die mir halfen meine Dämonen zu besiegen”. Trotzdem verstarb er am gestrigen Tag an einer Lungenentzündung.

Doch sein Leben hätte eher vorbei sein können, hätte sich nicht jemand dazu entschieden eine Hand voll Leben im Sinne einer Stammzellspende zu verschenken. Das Problem ist, dass sich viele Menschen nicht mit dem Thema auseinandersetzen, da es sehr voreingenommen ist. Oft wird die Knochenmarkspende, die nur noch in 20% der Fällen durchgeführt wird, mit einer Rückenmarkspende verwechselt, wo das Risiko einer Querschnittslähmung für den Spender besteht. In 80% der Fälle geschieht dies jedoch lediglich über Blut. Man bekommt vier Tage vor dem Eingriff Spritzen mit Wachstumsfaktoren, die die Konzentration von Stammzellen im Blut erhöhen. Am Tag des Eingriffs wird man dann zumeist für vier Stunden an ein Gerät angeschlossen, welches die Stammzellen von dem Blut filtert und das Blut den Spender wieder hinzufügt. Während der Registration dafür bis zu dem Eingriff kann man sich die gesamte Zeit dagegen entscheiden. Abgesehen, dass man aufgrund verschiedener Aspekte auch komplett von dieser Art von Spende ausgeschlossen werden kann, gibt es auch ethisch gesehen Punkte, die dafür und dagegen sprechen.

Meiner Meinung nach ist es jedoch wichtig sich zumindest mit dem Thema auseinanderzusetzen und nicht zu warten bis ein Fall in der Familie, oder dem näheren Umfeld vorliegt, sondern sich zumindest die Positionen anzuhören. Wer es dennoch nicht übers Herz bringt ist keinesfalls zu verurteilen, aber er hat wenigstens darüber nachgedacht und das unterscheidet ihn von vielen Menschen innerhalb unseres Umfelds.

An dieser Stelle möchten wir unsere Anteilnahme gegenüber Guido Westerwelles Lebenspartner Michael Mronz, sowie allen Vertrauten seinerseits aussprechen.

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