Es ist Dienstag, der 22. September und somit der letzte Tag für die Schauspieler der Theater – AG des Windthorst- Gymnasiums Meppen ihr Können in Dürrenmatts „Panne“ unter Beweis zu stellen. Bereits in den Herbstferien wurden die ersten Vorbereitungen für das einerseits spannende aber auch zeitlose Stück getätigt. Dies hieß vor allem für Frau Bechtluft, der Leiterin dieser Gruppe, Arbeit, denn sie durfte sich der Aufgabe widmen, ein Stück auszuwählen, zu lesen und erste Gedanken dazu zu verschriftlichen. So konnten ab den Osterferien auch die Schauspieler mit zunehmender Intensität an dem Stück arbeiten und feilen. In einer kleinen Runde, an dem Tisch, welcher auch Hauptrequisite des Stücks ist, trafen wir uns zu einem Interview. Eine Atmosphäre zwischen Tiefgründigkeit und Humor ließ unser Treffen zu einem lockeren, gemütlichen, aber auch ernsten Gespräch werden, das unter anderen Fragen aufwarf wie, was überhaupt Gerechtigkeit bedeute. Aber lest selbst:

Der Ludwig: Wenn man sich eure Aufführungen anschaut, ist man überwältigt mit welcher Sicherheit und mit welchem Können ihr auftretet. Wie lange seid ihr bereits als Schauspieler tätig und was hat euch dazu veranlasst?

Die Theater- AG: Das variiert. Wir haben teilweise Mitglieder die bereits seit 4 Jahren in unserer Gruppe mitwirken und demnach auch schon einiges an Bühnenerfahrungen gesammelt haben. Unseren letzten Zuwachs bekamen wir vor einem Jahr. Beweggründe für eine Teilnahme sind oftmals Mitschüler, die von unserer Arbeit erzählen und Interessenten mitbringen.

Der Ludwig: Was denkt ihr, zeichnet eure Gruppe aus? Was macht sie besonders?

Die Theater- AG: (leichtes Schmunzeln) Auf jeden Fall das hohe Engagement und die Leidensfähigkeit aller Beteiligten, die Gruppendynamik, unsere nette Lehrerin und die freundliche Arbeitsatmosphäre!

Der Ludwig: Nach welchen Kriterien habt ihr das Stück „Die Panne“ ausgewählt?

Die Theater- AG: Die Wahl unserer Stücke hängt immer von den Spielern ab. So überlegt man, welche Rollen passen würden und wie man besondere Leute fordern kann.

Der Ludwig: „Die Panne“ ist ja nun in vielerlei Hinsicht kein „normales“ Theaterstück. Was ist besonders herausfordernd daran und was macht euch am meisten Spaß?

Die Theater-AG: Das Herausfordernde ist, dass im Gegensatz zu anderen Stücken nicht viel Aktion vorhanden ist, wenig auf und ab und wenig zu spielen. Wenn man mit dem Fußball auf die Bühne kommt, hat man sofort eine Beschäftigung. Allein durch beispielsweise das Dribbeln mit dem Ball, verkörpert man seine Rolle. Hier ist es so, dass die Nähe zu der Rolle erst durch das Sprechen, Mimik und Gestik erzeugt wird. Besonders viel Spaß macht das Stück, in dem Sinne, dass genau das richtige Gleichgewicht zwischen witzigen und auch tiefgründigen Szenen eingehalten wird.

Der Ludwig: Nicht nur das Stück, auch die Charaktere weisen viele Besonderheiten vor allem  in ihrem Verhalten auf. Inwiefern könnt ihr euch mit ihnen identifizieren?

Die Theater- AG: (Pilet) Mir gefällt vor allem das Makabere des Henkers. Zudem kann man in dieser Rolle viel zwischen den Zeilen spielen!

Der Ludwig: Inwiefern denkt ihr, dass „Die Panne“  grade in der jetzigen Zeit eine Rolle spielt? Welche Botschaft wollt ihr mit dem Stück aussenden?

Die Theater-AG: „Die Panne“ enthält Aspekte und Fragen, die in Zeiten der Menschheit immer aktuell bleiben werden. So zum Beispiel die Frage: „Was ist die Wahrheit?“. Die Wahrheit ist immer relativ, denn bereits wenn wir etwas sehen, wird unsere Wahrnehmung gefärbt. Die Wahrheit kann unterschiedlich sein. Oder: „Was bedeutet Gerechtigkeit?“ ; „Wie kann man diese wieder herstellen, wenn sie gebrochen wurde?“. Das alles geschieht auf der Grundlage von Vorgaben der Gesellschaft, die einen am Rande der Verzweiflung bringen können. Darum geht es in dem Stück! Herrn Traps, der obwohl er unschuldig ist, am Ende selbst glaubt einen Mord begangen zu haben! Unterstützt wird die Message von dem Chor: „Take me to church“. Wir sind sehr froh darüber, dass er sich dazu bereiterklärt hat, bei diesem Stück mitzuwirken. Wahrnehmungen werden durch ihn geschärft.

Der Ludwig: Habt ihr eine Lieblingsszene?

Die Theater- AG: Auf jeden Fall die Endszene, wo Pilet Traps in das Zimmer für die Hinrichtung führt!

Der Ludwig: Wie sieht es hinter den Kulissen aus?

Die Theater- AG: Je näher der Termin rückt, desto ernster und angespannter wird die Lage und desto mehr Disziplin muss aufgebracht werden.  Im Vorfeld gehört viel Organisation dazu, so z.B. die Umsetzung des Stücks bezogen auf das Bühnenbild, Essen, Kostüme, die Reinigung der Aula. Vor allem kurz vor dem Auftritt stehen noch viele Erledigungen an, wie der letzte Toilettengang, oder auch die ein oder andere Träne, die es zu überwinden gilt.  Viel Zeit wird auch für die Maske aufgebracht, da die Haare und Perücken perfekt sitzen müssen! Dies kann schon einmal eine dreiviertel Stunde dauern…

Der Ludwig: Wie schafft ihr es neben den vielen Anforderungsbereichen und hohen Zeitaufwand den Schulalltag zu meistern?

Die Theater- AG: (Lachen) Es ist eine Herausforderung, die mal mehr mal weniger gelingt und wir bedanken uns bei allen an der Schule Beteiligten für das aufgebrachte Verständnis!

Der Ludwig: Habt ihr ein bestimmtes Ritual vor oder nach der Aufführung?

Die Theater- AG: An dem Tag davor: Progressive Muskelentspannung und kurz vor dem Auftritt gehen wir an die frische Luft und laufen um einen Baum, währenddessen sich jeder sein eigenes Motto oder einen zentralen Satz einprägt, der ihn das Stück über begleiten wird.

Der Ludwig: Wie stellt ihr euch das perfekte Publikum vor?

Die Theater- AG: Es sollte offen für Neues sein und auch einen gewissen Humor mitbringen, andererseits ist es uns aber auch wichtig, dass das Stück nicht an den Menschen vorbeigeht, sondern diese es auch kritisch hinterfragen und darüber nachdenken. „Hat Traps nun Schuld, oder nicht?“

Der Ludwig: Gibt es auch Momente in denen ihr nach ständigen Proben das Stück als nervig empfindet?

Die Theater-AG: Nervig ist das falsche Wort. Es ist manchmal schon sehr anstrengend und strapazierend, aber auch das legt sich nach einiger Zeit wieder.

Der Ludwig:  Ihr hattet ja nun schon zwei Aufführungen. Wie glaubt ihr ist die Resonanz auf das Theaterstück?

Die Theater- AG: Durchgehend nur positiv. Wir haben auch sehr viel Lob für den Chor erhalten. So wurde beispielsweise gefragt, ob dieser live gesungen hat oder eine Aufnahme abgespielt wurde.

Der Ludwig: Wie fühlt ihr euch jetzt so kurz vor dem Auftritt?

Die Theater- AG: Noch ist alles entspannt, aber die letzten 10 Minuten davor können schon ziemlich mitnehmend sein.

Der Ludwig: Könnt ihr euch vorstellen später in der Theaterbranche tätig zu werden?

Die Theater- AG: Das ist unterschiedlich. Zwei auf jeden Fall, aber einige sind auch einfach nur da, weil sie das Talent dazu und Spaß an der Freude haben…

Der Ludwig: Gibt es etwas das ihr unseren Lesern mit auf den Weg geben wollt?

Die Theater- AG: Die Theater- AG ist eigentlich für jeden etwas, man muss zwar Selbstbewusstsein, Teamgeist und Flexibilität aufbringen und auch dazu bereit sein sich das ein oder andere mal zum Affen zu machen, was einen im ersten Moment peinlich erscheinen mag, aber letztendlich wird man durch den Applaus des Publikums für alles entschädigt!

Artikel in der MT mit Videointerview (Ev1TV)

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